Sizilien II
Von
Agrigent aus fahren wir zunächst auf der Küstenstrasse Richtung
Osten und biegen dann ins Landesinnere ab. Der Zustand der Strassen
ist schlecht bis schrecklich. Schlechter Belag, Spurrillen und
Schlaglöcher begleiten uns. Hier und da ist es unmöglich, den
Löchern auszuweichen oder rechtzeitig zu bremsen. Es scheint, als
würde man in Sizilien gezwungen, auf die mautpflichtige Autobahn
auszuweichen, was wir strikt ablehnen.
Dafür
ist die Umgebung einzigartig. Grüne Wiesen mit gelben Blumen,
wasserführende Bäche und Flüsse, einzelne Gehöfte am Wegesrand
und grüne, teilweise bewaldete Berge und Hügel begleiten uns auf
dem Weg an die Ostküste der grössten Mittelmeerinsel.
Kurz
vor Syrakus gelangen wir auf die mautfreie Autobahn und finden bald
hinter einem Einkaufszentrum den ausgewählten Campingplatz. Dort
angekommen, gehen wir gleich einkaufen und planen die Besichtigung
für den nächsten Tag.
Syrakus ist eine Stadt am Ionischen Meer auf Sizilien. Sie ist bekannt für ihre antiken Ruinen. Der archäologische Park Neapolis im Zentrum der Stadt umfasst das römische Amphitheater, das Teatro Greco und das Orecchio di Dionisio, eine Kalksteinhöhle in Form eines menschlichen Ohrs. Im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi sind Terrakotta-Artefakte, römische Porträts und in weissen Marmor gehauene Szenen aus dem Alten Testament ausgestellt.
Bei fast trockenem, aber stürmischem Wetter machen wir einen Rundgang auf der Insel Ortigia, so genannt nach der Göttin Artemis, die auf dieser Insel geboren sein soll. Die Insel gilt als historisches Zentrum der Stadt und ist nur durch eine wenige Meter breite Meerenge vom Festland getrennt. Sie bedeckt eine Fläche von knapp einem Quadratkilometer. Die aus Kalkstein bestehende Insel schliesst im Nordwesten die Bucht ab, die gleichzeitig einen natürlichen Hafen bildet. Zwei Brücken verbinden die Insel mit dem Festland, eine dritte, Fussgängerbrücke, ist im Bau. Wir schlendern durch die teilweise engen Gassen und viele Fotomotive bieten sich meiner Kamera. Dann öffnet sich der Platz und linker Hand erhebt sich die Kathedrale. Der Platz wird von herrschaftlichen Häusern und einer weiteren Kirche begrenzt. Durch eine weitere Gasse wird es auf einigen Plätzen touristischer und der Weg entlang der Küste zur Festung wird von Bars und Restaurants gesäumt. Den Rückweg zum Festland nehmen wir auf der anderen Seite und entdecken dabei die eine oder andere architektonische Sehenswürdigkeit. Das Mittagessen nehmen wir in der Neustadt ein. An der vierspurigen, schnurgeraden Hauptstrasse gibt es einige nette Lokale und im Sommer auch Eisdielen.
Der
nächste Tag versprach Regen, der dann auch etwas verspätet kam und
in der Nacht heftige Schauer brachte. So legten wir einen Ruhetag ein
und wollten erst am nächsten Tag nach Catania weiterfahren mit dem
Ziel, den Ätna zu besteigen. Doch auch am nächsten Tag liess sich
der Ätna nicht blicken und andere Camper informierten uns, dass die
Polizei die Strasse für nicht 4x4 Fahrzeuge gesperrt habe. Später
erfuhren wir, dass nach 30 cm Neuschnee in den letzten Tagen der
Vulkan nun Feuer spuckt. Der Ätna sei seit dem 8. Februar aktiv. Und
wir konnten ihn nicht einmal von Catania aus hinter den Wolken sehen.
In den Tagen vor der Eruption habe der Vulkan verstärkte Aktivität
gezeigt, mit Asche und mehreren kleinen Explosionen aus dem
Südostkrater. Charakteristisch für die Eruption ist ein Lavastrom,
der aus einem Schlot in etwa 3000 Metern Höhe austritt. Wenn ich mir
die Fotos in der Presse so ansehe, haben wir etwas verpasst, aber wir
trösten uns damit, dass wir die 3000 Meter nicht erreicht hätten.
Die Strasse führt bis Nicolosi und von dort führt eine Seilbahn von
1900 Meter auf knapp 2500 Meter Höhe.
Im
antiken Griechenland gibt es eine Legende über den Ätna. Unter dem
Vulkan liegt der Riese Typon und wenn er sich im Schlaf umdreht, bebt
die Erde.
Catania
ist die zweitgrösste Stadt Siziliens und die Aussenbezirke sind sehr
belebt, die Häuser machen einen traurigen Eindruck und überall ist
Dreck.
Auf
dem weitläufigen Hauptplatz, der Piazza del Duomo, und in den
Strassen von und zum Platz ist es dagegen sehr sauber. Neben dem
reich verzierten Dom steht der originelle Elefantenbrunnen.
Tatsächlich wird Catania schon in einem Bericht eines arabischen
Geographen aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts als Stadt des
Elefanten bezeichnet. Die Bewohner Catanias sollen den Elefanten
damals als Symbol des Schutzes vor den Ausbrüchen des Ätna gesehen
haben.
Von
der Kathedrale führt eine schnurgerade Strasse hinauf zum Stadttor
Porta Garibaldi. Entlang des Weges befinden sich schöne Wohn- und
Geschäftshäuser und Plätze. Wir gehen eine Strasse weiter rechts
wieder hinunter und kommen am römischen Amphitheater vorbei, das
sich hinter einer Häuserzeile versteckt. In
der Neustadt findet man die üblichen internationalen Geschäfte.
Nachdem
wir den Ätna nicht mal aus der Ferne sehen können, fahren wir
weiter nach Messina. Unterwegs halten wir in einem typischen Badeort.
Der Camping Platz ist geöffnet, aber der Ort ausgestorben. Erst
Mitte Juni kommt hier wieder Leben auf. In Messina setzen wir mit der
Fähre zum Festland über.
Arrivederci Sicila, wir kommen wieder!