Sizilien II

14.02.2025

Von Agrigent aus fahren wir zunächst auf der Küstenstrasse Richtung Osten und biegen dann ins Landesinnere ab. Der Zustand der Strassen ist schlecht bis schrecklich. Schlechter Belag, Spurrillen und Schlaglöcher begleiten uns. Hier und da ist es unmöglich, den Löchern auszuweichen oder rechtzeitig zu bremsen. Es scheint, als würde man in Sizilien gezwungen, auf die mautpflichtige Autobahn auszuweichen, was wir strikt ablehnen.
Dafür ist die Umgebung einzigartig. Grüne Wiesen mit gelben Blumen, wasserführende Bäche und Flüsse, einzelne Gehöfte am Wegesrand und grüne, teilweise bewaldete Berge und Hügel begleiten uns auf dem Weg an die Ostküste der grössten Mittelmeerinsel.
Kurz vor Syrakus gelangen wir auf die mautfreie Autobahn und finden bald hinter einem Einkaufszentrum den ausgewählten Campingplatz. Dort angekommen, gehen wir gleich einkaufen und planen die Besichtigung für den nächsten Tag.

Syrakus ist eine Stadt am Ionischen Meer auf Sizilien. Sie ist bekannt für ihre antiken Ruinen. Der archäologische Park Neapolis im Zentrum der Stadt umfasst das römische Amphitheater, das Teatro Greco und das Orecchio di Dionisio, eine Kalksteinhöhle in Form eines menschlichen Ohrs. Im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi sind Terrakotta-Artefakte, römische Porträts und in weissen Marmor gehauene Szenen aus dem Alten Testament ausgestellt.

Bei fast trockenem, aber stürmischem Wetter machen wir einen Rundgang auf der Insel Ortigia, so genannt nach der Göttin Artemis, die auf dieser Insel geboren sein soll. Die Insel gilt als historisches Zentrum der Stadt und ist nur durch eine wenige Meter breite Meerenge vom Festland getrennt. Sie bedeckt eine Fläche von knapp einem Quadratkilometer. Die aus Kalkstein bestehende Insel schliesst im Nordwesten die Bucht ab, die gleichzeitig einen natürlichen Hafen bildet. Zwei Brücken verbinden die Insel mit dem Festland, eine dritte, Fussgängerbrücke, ist im Bau. Wir schlendern durch die teilweise engen Gassen und viele Fotomotive bieten sich meiner Kamera. Dann öffnet sich der Platz und linker Hand erhebt sich die Kathedrale. Der Platz wird von herrschaftlichen Häusern und einer weiteren Kirche begrenzt. Durch eine weitere Gasse wird es auf einigen Plätzen touristischer und der Weg entlang der Küste zur Festung wird von Bars und Restaurants gesäumt. Den Rückweg zum Festland nehmen wir auf der anderen Seite und entdecken dabei die eine oder andere architektonische Sehenswürdigkeit. Das Mittagessen nehmen wir in der Neustadt ein. An der vierspurigen, schnurgeraden Hauptstrasse gibt es einige nette Lokale und im Sommer auch Eisdielen.

Der nächste Tag versprach Regen, der dann auch etwas verspätet kam und in der Nacht heftige Schauer brachte. So legten wir einen Ruhetag ein und wollten erst am nächsten Tag nach Catania weiterfahren mit dem Ziel, den Ätna zu besteigen. Doch auch am nächsten Tag liess sich der Ätna nicht blicken und andere Camper informierten uns, dass die Polizei die Strasse für nicht 4x4 Fahrzeuge gesperrt habe. Später erfuhren wir, dass nach 30 cm Neuschnee in den letzten Tagen der Vulkan nun Feuer spuckt. Der Ätna sei seit dem 8. Februar aktiv. Und wir konnten ihn nicht einmal von Catania aus hinter den Wolken sehen. In den Tagen vor der Eruption habe der Vulkan verstärkte Aktivität gezeigt, mit Asche und mehreren kleinen Explosionen aus dem Südostkrater. Charakteristisch für die Eruption ist ein Lavastrom, der aus einem Schlot in etwa 3000 Metern Höhe austritt. Wenn ich mir die Fotos in der Presse so ansehe, haben wir etwas verpasst, aber wir trösten uns damit, dass wir die 3000 Meter nicht erreicht hätten. Die Strasse führt bis Nicolosi und von dort führt eine Seilbahn von 1900 Meter auf knapp 2500 Meter Höhe.
Im antiken Griechenland gibt es eine Legende über den Ätna. Unter dem Vulkan liegt der Riese Typon und wenn er sich im Schlaf umdreht, bebt die Erde.

Catania ist die zweitgrösste Stadt Siziliens und die Aussenbezirke sind sehr belebt, die Häuser machen einen traurigen Eindruck und überall ist Dreck.
Auf dem weitläufigen Hauptplatz, der Piazza del Duomo, und in den Strassen von und zum Platz ist es dagegen sehr sauber. Neben dem reich verzierten Dom steht der originelle Elefantenbrunnen. Tatsächlich wird Catania schon in einem Bericht eines arabischen Geographen aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts als Stadt des Elefanten bezeichnet. Die Bewohner Catanias sollen den Elefanten damals als Symbol des Schutzes vor den Ausbrüchen des Ätna gesehen haben.
Von der Kathedrale führt eine schnurgerade Strasse hinauf zum Stadttor Porta Garibaldi. Entlang des Weges befinden sich schöne Wohn- und Geschäftshäuser und Plätze. Wir gehen eine Strasse weiter rechts wieder hinunter und kommen am römischen Amphitheater vorbei, das sich hinter einer Häuserzeile versteckt. In der Neustadt findet man die üblichen internationalen Geschäfte.

Nachdem wir den Ätna nicht mal aus der Ferne sehen können, fahren wir weiter nach Messina. Unterwegs halten wir in einem typischen Badeort. Der Camping Platz ist geöffnet, aber der Ort ausgestorben. Erst Mitte Juni kommt hier wieder Leben auf. In Messina setzen wir mit der Fähre zum Festland über.
Arrivederci Sicila, wir kommen wieder!