Sizilien

09.02.2025

Nach zwei Monaten in Nordafrika, Algerien und Tunesien, bringt uns die Fähre zurück nach Europa. Die Fähre fährt nachts, aber der Seegang lässt uns nicht schlafen und wir sind froh, dass aus den angekündigten 15 Stunden Fahrt nur knapp 9 Stunden werden. Sizilien ist die grösste Insel im Mittelmeer und liegt direkt vor der Spitze des italienischen Stiefels. Zeugnisse ihrer langen Geschichte sind überall auf der Insel zu finden und die Natur bedankt sich für die üppigen Niederschläge mit saftigem Grün und rauschenden Flüssen.

In Palermo finden wir etwas ausserhalb der Stadt einen geeigneten Platz und suchen uns als erstes ein Restaurant mit typisch italienischen Gerichten, denn wir haben seit zwei Tagen nichts Richtiges gegessen und der erwähnte Seegang hat auch dazu beigetragen, den Magen zu leeren. Satt ruhen wir uns den Rest des Tages aus und am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Das Schlendern durch die Gassen ist auch in Palermo ein Vergnügen und der Unterschied zu den nordafrikanischen Städten nicht allzu gross. Die Märkte sind bunt, frisches Gemüse von den umliegenden Feldern, zur Zeit vor allem Kohl, Blumenkohl und Artischocken. Läden mit riesigen Käsetheken und Metzgereien mit einer riesigen Auswahl an Fleisch.
Beeindruckend ist der Dom, die Kathedrale des römisch-katholischen Erzbistums Palermo. Er liegt in der Nähe des Normannen Palastes in der historischen Altstadt. Das heutige Bauwerk wurde 1184/1185 im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil errichtet und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Aufgrund seiner ersten Bauphase wird er auch als Dom der Normannen bezeichnet. Für mich ist der Dom von Palermo von besonderer Bedeutung, da sich hier unter anderem die Gräber der Stauferkaiser befinden. Im Kern ist der Dom eine normannische Wehrkirche in Kubusform mit Mittelschiff, Querschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen. Bei bedecktem Himmel mit dunklen Wolken bieten sich unzählige Fotomotive.

Die Fahrt aus der Stadt Palermo heraus ist ein Abenteuer für sich und nachdem wir die Ausfahrt Richtung Westküste geschafft haben, geht es gleich bergauf mit herrlichem Blick zurück auf Palermo und die grünen Hügel und Berge links und rechts der Strecke. Wir suchen das Meer und machen Mittagspause in Castellamare, um gestärkt nach Trapani weiterzufahren. Auf der ehemaligen Insel Lazzaretto gibt es einen riesigen Parkplatz, den wir gerne nutzen. Am frühen Morgen überrascht der Blick auf die Ägadischen Inseln Levanzo und Favignana. Vor der Küste verläuft die Grenze zwischen dem Tyrrhenischen Meer und dem offenen Mittelmeer, die Strasse von Sizilien. Unter arabischer Herrschaft erlebte Tripani einen neuen Aufschwung. Der Hafen wurde ausgebaut, die Stadtmauer verstärkt, die Handelsbeziehungen intensiviert. Salz aus Trapani wurde im Mittelalter in ganz Italien, Frankreich und England verkauft. Auch die Goldschmiedekunst und die Korallenverarbeitung trugen zur neuen Blüte bei. Bis heute prägen arabische Architektur, Kunst und Sprache das Stadtbild und das kulturelle Leben Trapanis. Geblieben sind die Salinen mit den Windmühlen und das Couscous als beliebtes Hauptgericht.

Nach wenigen Kilometern durch fruchtbare Landschaft und vorbei an weiteren Salinen erreichen wir Marsala. Es ist Mittagszeit, aber die meisten Restaurants und Tavernen haben noch nicht geöffnet. Erst ab 16 Uhr erwacht die Stadt wieder zum Leben. Marsala ist das Zentrum des Weinbaus in Westsizilien, daher gibt es in der Gemeinde viele Weinkellereien und eine Weinbauschule. Von hier kommt der Marsala-Wein. Daneben sind der Fischfang, die fischverarbeitende Industrie sowie Ölmühlen und die Salzgewinnung von wirtschaftlicher Bedeutung. Zentrum der Stadt ist die Piazza della Repubblica. Jahrhundert erbaute Palazzo della Loggia mit seinen Rundbögen und der Dom von Marsala.

In Agrigent tauchen wir wieder in die Geschichte ein, diesmal in die griechische. Im Valle dei Templi, das eher ein langgestreckter Hügel ist, bauten sich die Griechen damals eine Stadt, von der die Tempel übrig geblieben sind. Schon vor mehr als 2500 Jahren haben sich die Menschen viel Mühe gegeben, um ihre Kultstätten für die Ewigkeit zu errichten. Mit seinen 1300 Hektar ist der Archäologie- und Landschaftspark des Tempeltals eine der grössten archäologischen Stätten der Welt. Das landschaftliche Erbe des Parks ist auch aus naturalistischer und landwirtschaftlicher Sicht sehr vielfältig und von aussergewöhnlicher Schönheit. Dies ist das Ergebnis einer Mischung aus ursprünglichen Naturelementen und jahrtausendelangen menschlichen Eingriffen. Neben den im Park am weitesten verbreiteten Baumarten, den ausgedehnten Mandel- und Olivenhainen, findet man in den fruchtbarsten Gebieten auch Weinberge.